Hochschulpolitik

Hier das Diskussionspapier online abrufbar : Die inklusive Gesamthochschule – Plädoyer für gerechte Hochschulbildung

Aus dem Vorwort :

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

die von Bundeskanzlerin Angela Merkel 2008 in Dresden ausgerufene „Bildungsrepublik“ ist noch immer ein Lippenbekenntnis politischen Handelns vergangener Wahltage. Während sich die Menschen in Deutschland eine gerechtere, finanziell besser ausgestattete Bildungspolitik erhofften, entpuppten sich die Versprechen der Kanzlerin über die Zeit als reine Wahlkampfrhetorik – ohne jegliche Substanz. Erschreckend ist, dass sich in der derzeitigen Bildungspolitik von Bund und Ländern trotz dringendem Handlungsdruck und diversen Regierungswechseln immer noch nichts bewegt.
Kinder mit Migrationsbiografie haben immer größere Probleme, am Bildungssystem in Deutschland zu partizipieren. Sozial schwächer gestellte Familien haben kaum Chancen, der Armutsspirale durch Bildung zu entfliehen (Stichwort: Studiengebühren). Immer häufiger korreliert der Ausschluss aus dem Bildungssystem (z.B. durch „schlechtere“ bzw. niedrigere Schulabschlüsse) mit der finanziellen Situation der Eltern. Der soziale Unterschied wird zum „Knowledge gap“ und die Gleise der „Lokomotive Deutschland“ führen genau in diesen Abgrund. Die angebotenen Ausbildungsfördermaßnahmen helfen da nur bedingt, denn sie führen durch ihre gesellschaftliche Stigmatisierung in die weitere Abhängigkeit. Und nicht nur das: Jede erfolgreich, durch finanzielle Abhängigkeit erst notwendig gewordene Ausbildung zersetzt den eigentlichen Grundgedanken der „Menschwerdung durch Bildung“.
Der Grund für diese Wende liegt in der Entscheidungsträgerschaft innerhalb des Bildungssystems. Unsere Republik wird von einem Ort aus geführt, der eigentlich so gar nichts mit großer Politik zu tun haben will – Gütersloh. Das dort ansässige Unternehmen namens Bertelsmann entwickelte und entwickelt noch immer steuerbegünstigt Hochschulentwicklungspläne, Hochschulgesetze und europaweite Evaluationsinstrumente, welche nun nicht nur die Institutionen ehemals freier und kritischer Bildung in den Zwang der Unternehmensorientierung nehmen, sondern auch alle anderen Gesellschaftsteile in ihrem Bestehen von diesen Ergebnissen abhängig machen. Gerechtigkeit wird nur noch rein wirtschaftlich gedacht, Bildung ist als Investition anzusehen und muss sich an Kennzahlen orientiert volkswirtschaftlich rechnen. Die Frage ist: wollen wir das?
Wir sind uns sicher, dass wir das eben nicht wollen. Da zurzeit eine Hochschulgesetznovelle in NRW ansteht und sich Gesetzesänderungen parallel dazu auch in anderen Bereichen wie Schule, Kinderbetreuung und Sozialem abzeichnen, haben wir verschiedenste Positionen in der Gesellschaft (z.B. Parteiprogramme, GEW-Stellungnahmen zum Berliner HG-Entwurf von Herrn Dr. Keller, Stellungnahmen des fzs, des LAT NRW und viele andere) studiert, derzeitige Gesellschaftsprozesse im und rund um das Bildungsgeschehen an Hochschulen analysiert und Grundsatzpositionen zu einem neuen und für alle gerechten Hochschulsystem erarbeitet. Herausgekommen ist das Konzept der inklusiven Gesamthochschule, welches wir mit diesem Papier zur Diskussion stellen möchten.

Die Autoren
Hilmar Schulz und Christian Piest
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Die inklusive Gesamthochschule – Plädoyer für gerechte Hochschulbildung

http://www.dielinke-nrw.de/fileadmin/kundendaten/www.dielinke-nrw.de/Landesparteitag_2011/Bilder.LPT/Leitantrag%20L3_beschlossene%20Fassung.pdf

Hier mein Text zur Positionierung in der Hochschulpolitik NRW:

Erst durch massive Bildungsstreikproteste konnten die Studiengebühren in NRW zum Wintersemester 2011/12 abgeschafft werden. Auch die LINKE.NRW hat ihren Teil dazu
beigetragen. Doch für DIE LINKE. NRW gilt, auch ohne Studiengebühren dürfen die Hochschulen und die Lage der Studierenden nicht so bleiben, wie sie sind.
Auf die nordrhein-westfälischen Hochschulen kommen in der nächsten Zeit gewaltige Herausforderungen zu. Dafür wird ein neues modernes, demokratisches und inklusives
Hochschulsystem benötigt, das sich an den Interessen der Gesellschaft und der einzelnen Hochschulgruppen orientiert. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Einführung einer
Zivilklausel gegen Indienstnahme der Hochschule für Rüstung und Krieg, die Abschaffung des sog. Hochschulrates, mit dem die Demokratie an den Hochschulen geschleift wurde
zugunsten von Wirtschaftsinteressen, die Stärkung der Mitsprache aller Statusgruppen an der Hochschule und die Rückführung der Hochschule in die Landesaufsicht.
Ein ‘Hochschulfreiheitsgesetz light’, das nicht deutlich aufräumt mit dem Rüttgers- Neoliberalismus wird es mit der LINKEN nicht geben! Der Bologna-Prozess hat zu einer
Verschulung des Studiums geführt und Prüfungswahn an den Hochschulen entstehen lassen. Gleichzeitig ist die Problematik des Übergangs von Bachelor in den Master immer
noch nicht adäquat geregelt und garantiert. DIE LINKE.NRW wird sich weiterhin für die Masterplatzgarantie einsetzen und auch in den kommenden Semestern wird die LINKE
die Bildungsstreiks für ein neues Hochschulgesetz und die Verbesserungen der Lehr-, Lern – Lebensbedingungen unterstützen.
Nordrhein – Westfalen muss sich durch eine Bundesratsinitiative dafür einsetzen, dass die prekären Arbeitsverhältnisse an den Hochschulen untersagt werden (hier v.a.Befristungen). Die Tarifsperre im Wissenschaftszeitvertragsgesetz muss abgeschafft werden.

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