Die inklusive GesamtHochschule – Hochschulen inklusiv und sozial gerecht gestalten
Wissenschaftliches Arbeiten, Lehren und Lernen basiert auf der Grundlage des kritischen Fragens und Reflektierens und führt durch Beantwortung von Fragen zur Weiterentwicklung von Gesellschaft und ihren Teilprozessen. Insofern sind Hochschulen Orte des kritischen Denkens und Problemlösens.
In den letzten Jahren hat allerdings eine Umorientierung der Hochschulen in Unternehmen stattgefunden, die weniger an kritischem Denken interessiert sind, denn an Ergebnissen, die den Verwertungsinteressen privater Unternehmer dienen. Fächer mit unternehmerischen Verwertungsinteressen wurden gefördert, Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften wurden abgebaut.
Gleichzeitig wurde die Hochschule noch stärker als bisher ein Ort elitärer Ausbildung:
Kinder mit Migrationsbiografie haben immer größere Probleme, am Bildungssystem in Deutschland zu partizipieren. Arme Familien haben kaum Chancen, der Armutsspirale durch Bildung zu entfliehen (Stichwort: Studiengebühren, Nebenerwerb zum Studium). Immer häufiger korreliert der Ausschluss aus dem Bildungssystem (z.B. durch „schlechtere“ bzw. niedrigere Schulabschlüsse, vgl. PISA-Ergebnisse) mit der finanziellen Situation der Eltern. Der soziale Unterschied wird zum „Knowledge gap“ und die Gleise der „Lokomotive Deutschland“ führen genau in diesen Abgrund.
Der Grund für diese Wende liegt in der Entscheidungsträgerschaft innerhalb des Bildungssystems. Die Bertelsmann-Stiftung und das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) entwickelten und entwickeln noch immer steuerbegünstigt Hochschulentwicklungspläne, Hochschulgesetze und europaweite Evaluationsinstrumente, welche nun nicht nur die Institutionen ehemals freier und kritischer Bildung in den Zwang der Unternehmensorientierung nehmen, sondern auch alle anderen Gesellschaftsteile in ihrem Bestehen von diesen Ergebnissen abhängig machen. Gerechtigkeit wird nur noch rein wirtschaftlich gedacht, Bildung ist als Investition anzusehen und muss sich an Kennzahlen orientiert volkswirtschaftlich rechnen.
DIE LINKE.NRW ist sich sicher, dass sie dies nicht will, weil es wissenschaftsfeindlich ist!
Deswegen stellt sich DIE LINKE.NRW dem Prinzip der „unternehmerischen Hochschule“ entgegen, die mit dem Hochschulfreiheitsgesetz 2006 eingeführt wurde. Das System Hochschule soll und muss neu gedacht werden.
Als Antwort auf das Pinkwartsche Hochschulfreiheitsgesetz in Nordrhein-Westfalen muss ein neues, sozial gerechtes und inklusives Hochschulsystem geschaffen werden. DIE LINKE.NRW fordert dies im ihrem Konzept der inklusiven Gesamthochschule, welches wir in NRW derzeit nach allen Kräften versuchen umzusetzen, denn:
Hochschulen sind der Gesellschaft gegenüber verantwortlich und nicht den Verwertungsinteressen des Kapitals!
Deshalb muss ein neues Hochschulgesetz beinhalten:
Die gesellschaftliche Zielbestimmung der Hochschulen als Orte des wissenschaftlich-kritischen Denkens und Reflektierens,
die Rückführung der Hochschulfreiheit und damit einhergehend die Änderung der Rechtsstellung der Hochschulen in Körperschaften öffentlichen Rechtes unter Aufsicht des Landes,
die Abschaffung der Hochschulräte und die Schaffung eines Gesellschaftsrates auf Landesebene und an den Hochschulen, der mit gesellschaftlichen Akteuren und allen Statusgruppen an den Hochschulen die Aufgaben der Hochschulen in NRW definiert,
die Aufhebung der Unterscheidung zwischen Fachhochschulen und Universitäten und die Definition der Hochschulen im Gesetz als inklusive Gesamthochschulen,
die Verankerung einer Forschungsfolgenverantwortung (Zivilklausel), die alle Mitglieder der Hochschulen und die Hochschulen selbst dazu verpflichtet, nur für friedliche und nicht gegen den Menschen gerichtete Zwecke und Zielsetzungen zu forschen,
die gesetzliche Verankerung der Viertelparität in Hochschulgremien in allen Bereichen, die nicht unmittelbar Forschung und Lehre betreffen,
die Verpflichtung zur Errichtung von Teilzeit-, Abend- und Fernstudienplätzen,
die verbindliche Einführung eines Orientierungssemester an den inklusiven Hochschulen, in denen die Hochschulen Pflichtleistungen anbieten müssen, wie Vorkurse, Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten usw.,
wirkliche Mitbestimmung und Demokratisierung bei der Akkreditierung von Studiengängen durch Einbeziehung der lokalen Gesellschaftsräte und der gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsgruppen der Hochschulen – landesweit einheitliche Akkreditierungs-richtlinien für vergleichbare Studiengänge und Ministeriumsvorbehalt einer Studiengang-zulassung sowie
die Entfernung der Regelstudienzeit als Steuerungs- und Selektionselement aus dem Hochschulgesetz.
Die Finanzierung der Hochschulen muss beinhalten:
eine Neustrukturierung der Leistungsorientierten Mittelvergabe nach sozialen, inklusiven Kriterien (Malus- und Bonussystem in der Leistungsorientierten Mittelvergabe nach den Indikatoren der Abschlüsse in Geschlechtergerechtigkeit, Anzahl der Studierenden mit Kind, chronisch kranken und behinderten Studierenden, Studienabbrecherquoten, Relationen BAföG-Empfängerinnen und -Empfänger zu Absolventinnen und Absolventen
Eingeworbene Drittmittel zu 20% in die allgemeinen Hochschulhaushalte zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Hochschulen
Ausbau der Aufnahmekapazitäten an den Hochschulen durch neue barrierefreie Gebäude – Sanierung vorhandener Gebäude nach energetischen und inklusiven Maßstäben
Zur Verbesserung der Lebens-Lehr-Lern-Umwelten fordert DIE LINKE.NRW:
Kostenlose Bereitstellung von Lehrmitteln, Ausbau des studentischen Wohnraums (durch Kommunen und Studentenwerke), tarifliche Bindung für studentische Beschäftigte, wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Doktorandinnen und Doktoranden, Aufbau eines akademischen Mittelbaus, Anpassungen des BAföG (eltern-, alters- und regelstudienzeitunabhängig, gesetzlich verankerte Dynamisierung, Anpassung der Unterkunftspauschale an die örtlichen realen Mietspiegel)
Bereitstellung von Bundesmitteln zum Neubau bzw. zur Sanierung von Lehr-, Forschungs- und Lerngebäuden
Auslaufenlassen des Deutschlandstipendiums und Umwandlung von wirtschaftlicher Bestenförderung in ein soziales, gesellschaftliches und gleichberechtigtes Stipendiensys
Koudous sagt:
Einen praktischen Nutzen dsieer Bildung kann keine dsieer Gruppen nennen und hinterfragt man dies, bekommt man entweder “Das gehf6rt sich so!” oder e4hnliche zirkule4r stabile Argumente oder man wird schlichtweg als “dumm” tituliert und ausgeschlossen… Das ist in meinen Augen nicht zu leugnen, aber so es auftritt doch geradezu ein Indiz daffcr, dass ganzheitliche Bildung in diesen Gruppen gar nicht vorhanden ist. Und in deine Argumentation schliedft du ja auch so wie ich dich verstehe den gesamten humanistisch ffcr notwendig erachteten Literaturkanon ein fcber das stumpfe Auswendiglernen um des Auswendiglernens Willen mfcssen wir nicht reden das ist doch im Prinzip nur der Aufhe4nger ffcr eine ganz grundse4tzliche Diskussion. Ob ein Bildungsinhalt wie z.B. das Auswendiglernen eines Gedichts oder das Verstehen von Serveranwendungen ffcr mich einen praktischen Nutzen hat, entscheidet der Kontext, in dem ich lebe, ich denke und idealerweise e4ndert sich dsieer we4hrend meines Lebens immer wieder. Das Beherrschen von Serveranwendungen (Systemadminstration) hat ffcr mich einen praktischen Nutzen, weil ich meine Hardwarekosten mindestens halbieren kann und nicht auf Appliances wie z.B. iDingsbumse angewiesen bin, meine Daten keinem Dritten anvertrauen muss usw.. Es ermf6glicht mir technisch hinter das Web2.0 zu schauen, es ermf6glicht mir in System Schule ideelle Macht zu generieren, weil Applianceuser in Cloudzeiten eben nichts gar nichts ohne Serveranwendungen sind. Mein Wissen fcber Server hat ffcr mich extrem hohen praktischen Wert. Die meisten Leute im Web2.0 schauen mich konsterniert an und sagen: c4h, ich will nutzen, verstehen will ich nicht, ist mir scheidfegal. Randnotiz:dcber Delicious darf man nicht jammern. Mit umfassender Bildung(!) weidf man vorher, dass solche Dinge ohne Gewinn wirtschaftlich nur endlich lang funktionieren kf6nnen wie viele andere Web2.0-Dienste auch.Mir ist die Aneignung dieses Server- Wissens deswegen leicht gefallen, weil ich z.B. Mathematik machen musste und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem ich keinen praktischen Nutzen daffcr gesehen und viel lieber die Anbahnung von Reproduktionspotentialen gefcbt habe.Ich musste mich von Amts wegen mit d6df6n von Horvath besche4ftigen und seinem Begriff der Demaskierung von Bewusstsein . Erst das hat mich verstehen lassen, gerade jetzt, in diesem Kontext, dass die von dir zitierten Gruppen Bildung benutzen wie manche ihre Appliances (z.B. iPhones, iPads, Backberries usw.): Als Signal zur Zugehf6rigkeit zu einer bestimmten Gruppe, was genau dann schlimm ist, wenn allein die Signalfunktion fcbrig bleibt. Ich fand den Begriff Horvaths damals als Lehrer scheidfe er hatte keine lebenspraktischen Nutzen ffcr mich.Allgemeinbildung in ihre alten Denke sagt doch: Du musst mf6glichst viel kennen lernen, weil die Kontexte in deinem Leben noch lange nicht feststehen. Der Imperativ daran ist Bervormundung, der eigentlich induzierte Sinn damit ist es vielleicht nicht, obwohl ich den in den aktuellen Curricula auch nicht mehr zu finden vermag. Literatur halte ich ffcr manifestierte, kollektive Identite4t einer Gruppe. Goethe z.B. hat in meinen Augen viel Mist geschrieben und viele vielleicht wichtigere Schriften und Autoren haben es nicht in Kanon geschafft, aber oh Wunder er ist zumindest an unserer Schule in einem Fluss Fontane und Brecht sind mir persf6nlich ein Gre4uel, obwohl man das als Deutschlehrer ja nicht sagen darf. Dennoch haben ffcr mich beide Autoren Strukturen geschaffen, die universell in verschiedensten Kontexten auffindbar sind und deswegen mache ich das trotzdem.Wie verhindere ich, wenn ich den Fokus des Lernens allein auf das Individuum und seine tempore4ren individuellen Kontexte lege ( lebenspraktisch ), das oft so kritisierte Fachidiotentum? Wie verhindere ich, wenn ich lebenspraktisch allgemeiner definiere, dass mir das Gleiche passiert, wie das, was du den Humanisten vorwirfst? Durch Lerncoaches, die das Tellerrandgucken beherrschen? Durch Lerncoaches, in ihrem Leben stets Wert auf ihre tempore4ren individuellen Kontexte gelegt haben? Ich weidf es nicht. Spannend.Daher will ich nicht entweder oder. Ich will Koexistenz. Die Frage ist, ob Mensch das kann. Die von dir zitierten Gruppen kf6nnen es wohl eher nicht.